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Erfahrungsbericht

Erfahrungsbericht

Teil 1

Mein Auslandsjahr in Brasilien - Teil 1

Mein großes Abendteuer – ein Jahr in Brasilien leben - begann am 7.8.2019.

An diesem Tag flog ich von Frankfurt am Main nach São Paulo. Dort angekommen, wurde ich sehr herzlich von meiner ersten Gastfamilie und meinem Counselor des Rotary Clubs empfangen.

Auf der dreistündigen Autofahrt nach Serra Negra, bekam ich einen ersten Eindruck von dem Land, in dem ich nun fast ein Jahr leben werde. Serra Negra liegt ungefähr 150 Kilometer nördlich von São Paulo und hat ca. 27.000 Einwohner.

In den ersten 2 Wochen meines Aufenthaltes wohnte ich in der Familie meines Counselors. Neben der Erledigung aller Formalitäten hatte dies auch noch den Vorteil, dass wir uns auf Englisch unterhalten konnten. Da mein Counselor ursprünglich aus Amerika stammt, spricht er im Gegensatz zu vielen anderen Menschen hier perfekt englisch. Für mich war dies absolut von Vorteil, da ich zu diesem Zeitpunkt noch kein portugiesisch verstand.

Später zog ich dann zu meiner ersten Gastfamilie, zu der neben den Eltern noch mein Gastbruder und meine Gastschwester gehören, die jedoch älter sind als ich.
In der Schule haben mich mein Gastbruder und mein Gastvater vorgestellt. Auch hier wurde mir ein sehr herzlicher Empfang bereitet. Ich wurde mit vielen Schulbüchern, sowie einer Schuluniform ausgestattet und besuche seit dem die Klasse des ersten colegialen Jahres. Dies entspricht der 10.Klasse im deutschen Schulsystem. Mit insgesamt 12 Schülerinnen und Schüler ist die Klassenstärke sehr gering. Da nur 4 von ihnen englisch sprechen, war die Kommunikation anfangs kompliziert.

Doch inzwischen ist mein Wortschatz so groß, dass wir uns fast ausschließlich auf Portugiesisch unterhalten.
Jeden Morgen wurde ich von meiner Gastmutter mit dem Auto zur Schule gefahren und am Nachmittag auch wieder abgeholt. Dann habe ich meist ein paar Stunden Freizeit, bevor ich abends dann in den Sportclub gehe. Dort spiele ich mit Freunden Volleyball und gehe Tanzen. Überhaupt habe ich hier sehr viele Freunde gefunden, mit denen ich mich fast täglich treffen kann. Aber das liegt vor allem auch daran, dass die Brasilianer sehr offen und freundlich sind.
In meiner ersten Gastfamilie habe ich bis Anfang November gelebt. In dieser Zeit konnte ich ein sehr gutes familiäres Verhältnis zu allen Familienmitgliedern aufbauen.
Seit 6 Wochen wohne ich jetzt bei meiner 2. Gastfamilie, die nur aus meiner Gastmutter besteht. Aber wir zwei verstehen uns auch sehr gut.


Da mein Auslandsjahr über den Rotary Club organisiert wird, ist auch die Mitarbeit in dem Club hier, ein besonderer Teil des Austausches. Ich bin hier auch in den Interact Clubs aufgenommen geworden, worauf ich sehr stolz bin. In diesem Club engagieren sich Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahre für soziale Projekte. Als Mitglied dieses Clubs kann ich mich einerseits für eine gute Sache einbringen und lerne anderseits natürlich auch die Probleme der brasilianischen Gesellschaft noch einmal viel besser kennen. Außerdem macht es natürlich sehr viel Spaß, mit anderen Jugendlichen gemeinsam etwas zu unternehmen.

Die amtierende Präsidentin des Rotary Clubs und ich

Der Interact Club Serra Negra

Obwohl jeder Tag meines Aufenthaltes etwas Besonderes ist, möchte ich Ihnen nachfolgend von ein paar Highlights berichten.
Hier in Brasilien feiert man den 15. Geburtstag fast so groß, wie eine Hochzeit. Bereits 2 Mal durfte ich Gast einer solch großen Party sein, worüber ich mich natürlich sehr gefreut habe.

Im September habe ich gemeinsam mit anderen Austauschschülern die Expoflora-Ausstellung in Holombra besucht. Es ist die größte Blumenausstellung Lateinamerikas.

Höhepunkt dieses Besuchs war die Teilnahme an einer Parade, bei der wir stolz mit den Flaggen unsere Heimatländer vertreten haben. Außerdem durften wir an dem beliebten Blumenstreuen teilnehmen.

Dabei stehen alle Besucher auf einer Wiese und eine Person katapultiert mit einer Art Staubsauger tausende Blütenblätter hinunter in die Menschenmenge.

Hier ist es Tradition, dass zum Geburtstag der Stadt Serra Negra, jede Schule eine Fanfare vorführt. Zur Vorbereitung fanden dreimal wöchentlich zweistündige Proben statt. Für den großen Tag wurden wir auch extra neu eingekleidet. Es war eine völlig neue Erfahrung für mich, Teil eines Fanfarenzuges zu sein.

Aus Anlass des Vatertages habe ich mit meiner ersten Gastfamilie ein Fußballspiel in einem großen Stadion in São Paulo miterleben dürfen.

Mit dem entsprechenden T-Shirt ausgestattet, habe ich natürlich auch die Lieblingsmannschaft meiner Gastfamilie angefeuert. Es war eine super Stimmung.

Das Spiel endete jedoch unentschieden.

Nun ist auch hier Vorweihnachtszeit, die jedoch, wie ich festgestellt habe, nicht sonderlich gefeiert wird. Weder Adventskalender existieren, noch wird Nikolaus zelebriert. Man schmückt jedoch auch mit vielen Lichtern. Zusammen mit meiner Gastmutter haben wir auch schon in den ersten Tagen der Adventszeit den künstlichen Weihnachtsbaum aufgestellt. Generell ist die Weihnachtszeit für mich sehr ungewöhnlich, da es warm ist und lange hell. So kommen die Lichter wirklich nur in der Nacht zur Geltung.
Ich danke der Sparkassenstiftung noch einmal recht herzlich für die großzügige Unterstützung meines Aufenthaltes hier in Brasilien, bei dem ich so viele schöne Lebenserfahrungen sammeln kann.

Anna-Lena Klonnek

Teil 2

Mein Auslandsjahr in Brasilien - Teil 2

Viel Zeit ist vergangen und viele weitere unvergessliche Momente liegen hinter mir.

Wie bereits erwähnt, war die Vorweihnachtszeit für mich sehr ungewöhnlich und somit auch der Heiligabend. Zum einen war es warm und zum anderen war ich an diesem besonderen Tag nicht zu Hause bei meiner Familie, sondern saß in einer Wohnung mit einer Familie, die ich noch nicht einmal 2 Monate kannte.

Anders als in Deutschland erstreckt sich das Weihnachtsfest in Brasilien nur auf den Heiligabend und einen Weihnachtsfeiertag.

Am Heiligabend gab es mit der Familie meiner Gastmutter ein großes Essen und danach die Geschenke. Sowie an Weihnachten verbrachte ich auch den Silvestertag mit meiner Gastfamilie.

In den ersten Wochen des Jahres verbrachte ich viel Zeit mit meinen Freunden. Es waren immer noch Ferien.

Am 20. Januar flog ich dann für 4 Tage nach Rio de Janeiro. Dort traf ich auf viele andere Austauschschüler aus der Welt. Wir erkundeten gemeinsam die Stadt, sahen den Zuckerhut, die zwei bekanntesten Strände Copacabana und Ipanema, das Fußballstadion Maracana, die Christus Statue und vieles mehr. Es waren unglaublich schöne Tage und das Gefühl diese Erlebnisse mit vielen Jugendlichen aus anderen Ländern zu teilen, ist ein ganz Besonderes.

Im Februar fing dann nach 2 Monaten Ferien auch wieder die Schule an. Nach 3 Wochen waren dann Karnevalsferien.
Vier Tage lang feierten wir in Serra Negra den Karneval. Natürlich gehören zum Karneval auch schöne Kostüme bzw. viel Glitzer. Meine Gastmutter hatte mir ein schönes Oberteil gekauft und gemeinsam mit meinen Freunden trugen wir den entsprechenden Glitzer auf. So hatten wir unglaublich viel Spaß und genossen natürlich die gemeinsame Zeit.

Nachdem der Karneval vorbei war, ging dann auch die Schule wieder richtig los, mit Tests und allem was eben dazu gehört.

Am 11.03.20 startete ich zu meiner 2. Reise. Es ging nach Foz do Iguaçu. Wieder traf ich auf viele andere Austauschschüler. Wir sahen gemeinsam die berühmten Wasserfälle sowohl von der brasilianischen Seite als auch von der argentinischen. Alle von uns waren sichtlich beeindruckt von diesem Naturwunder.
Zu guter Letzt passierten wir noch die Grenze nach Paraguay, um uns das größte Wasserkraftwerk der Welt anzusehen. Als wir uns verabschiedeten, dachten wir, dass wir uns in 2 Wochen auf unserer letzten Reise wiedersehen würden.

Doch dann….kam Corona. Die Schulen wurden geschlossen und alle gingen in die Quarantäne.
Ich hatte im Gegensatz zu vielen anderen extrem viel Glück. Die Gastfamilie in der ich lebte, betreibt ein Internat für Tennisschüler. So lebten noch 13 andere Schülerinnen und Schüler in meinem Alter in meiner Gastfamilie. Niemand war allein und das Gelände war sehr groß. Wir hatten sehr viel Spaß zusammen und es war keinesfalls langweilig.

In die Zeit der Quarantäne fiel Ostern. Für diesen Tag hatte sich meine Gastfamilie ein Geländespiel ausgedacht, welches wir in verschiedenen Gruppen absolvierten. Am Ende des Spiels erhielt jede Gruppe eine große Anzahl Schokoladen-Eier. Diese spendeten wir jedoch dann für die armen Kinder, die vermutlich keine Ostergeschenke bekamen.

Ein besonderer Tag war dank meiner vielen Gastgeschwistern auch mein Geburtstag.

Nach insgesamt 10 Wochen in Quarantäne trat ich dann die Rückreise an.

Ich möchte mich noch einmal von ganzem Herzen bei der Sparkassenstiftung „Zukunft Elbe-Elster-Land“ für die großzügige finanzielle Unterstützung bedanken. Dank Ihnen konnte ich viele unvergessliche Momente in Brasilien erleben.

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