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Erfahrungsbericht Teil 1

Britain, oh, Britain!

Nun sind schon 4 Monate vergangen, seitdem meine Reise nach Boston, England, am 31. August 2018 begann und ich dem langen, deutschen Sommer auf Wiedersehen sagte. Als ich ankam, war es hier schon relativ kalt – und so habe ich mir, unvorbereitet wie ich war, auch gleich erstmal eine Erkältung zugezogen.

Aber natürlich soll es jetzt nicht um das berühmte englische Wetter gehen, viel mehr möchte ich meine Eindrücke  teilen, über das Internatsleben berichten und vor allem natürlich über den Alltag auf dem College.

Der Collegealltag
Der Unterricht beginnt bei mir um 9 Uhr und geht von Montag bis Mittwoch bis 14.45 Uhr und Donnerstag bis 16.30 Uhr, wobei wir dazwischen eine Stunde Mittagspause haben. Am Freitag haben die einheimischen Schüler dann auch schon frei, doch alle ‚Internationals‘ haben noch Englischunterricht, dort werden dann verschiedene grammatische Themen aufgefasst, neue Vokabeln gelernt oder auch das Schreiben verschiedener Textformen geübt. Das heißt, in diesem Kurs trifft sich dann die ganze Welt – Studenten aus Taiwan, der Slowakei oder auch einige Deutsche.

Die meisten internationalen Schüler machen hier das englische Äquivalent zum Abitur (AS-/ A-Levels genannt), allerdings gibt es noch unzählbare andere Angebote, die sich mit verschiedenen Ausbildungen gleichsetzen lassen: dabei ist von darstellenden Künsten über Informatik bis hin zur Tierpflege alles dabei. So vielfältig die Fächer auch sind, würde ich allerdings sagen, die Schüler sind es noch viel mehr. Da es hier keine Schuluniform gibt, wie es in Großbritannien sonst meistens der Fall ist, haben die Schüler am Boston College das Privileg, sich durch ihr Äußeres bestmöglich auszudrücken – und ich liebe diese Vielfalt, die mir jeden Tag begegnet, was nicht zuletzt auch an den unterschiedlichen Lebensweisen der Schüler aus aller Welt liegt.  

Wohnheim

Das Wohnheim
Neue Erfahrungen mache ich in diesem Jahr auch durch das Leben im Wohnheim. Dieses liegt direkt auf dem Campus, sodass nur eineinhalb Minuten für meinen Schulweg erforderlich sind. Außerdem gibt das Leben dort jedem Einzelnen sehr viel Raum für Selbständigkeit und doch haben wir immer noch einen Ansprechpartner im International Office, falls wir mal einen Rat benötigen.   

Ausflüge
Seitdem ich hier bin, war ich auch schon in verschiedenen umliegenden Städten, darunter Cambridge (eine wunderschöne, grüne Stadt!), Nottingham, Leeds und in York, wo wir den Weihnachtsmarkt besucht haben. Im Zuge dessen habe ich erfahren, dass die Wurzeln der Weihnachtsmärkte in Deutschland liegen, worüber ich, um ehrlich zu sein, zuvor niemals nachgedacht habe!

Was mir hier besonders auffällt und ich sehr schätze, ist das Engagement der Schule, was Ausflüge betrifft. So haben wir die Möglichkeit bekommen, uns die Universität in Leicester anzuschauen sowie auch die angesehene University of Cambridge, an der wir auch Einblicke in eine Vorlesung erhielten. Außerdem fand ich den Besuch im Europäischen Parlament in Straßburg sehr eindrucksvoll und würde ihn auf jeden Fall weiterempfehlen. Wir hospitierten dabei auch bei einer Debatte über die Prävention von Terrorismus.

Spaziergang am Meer

Ich bin unglaublich dankbar dafür, dass mir dieses Jahr voller neuer und interessanter Eindrücke, die ich  tagtäglich machen darf, erst durch das großzügige Stipendium der Sparkassenstiftung möglich gemacht wurde.

Pauline Höse

Brücke über Fluss in Boston

Eine der schönsten Strecken zum Spazierengehen – den Fluss entlang

Marktplatz Boston

 Der weihnachtlich geschmückte Marktplatz in Boston

Gruppenbild

Erfahrungsbericht Teil 2

Zeit in London und gefangen im Katzenkäfig – der zweite Teil meines Auslandsjahres

… und nun sind die zehn Monate, die ich auf einem College im englischen Boston verbringen durfte, schon vorbei. Der zweite Teil hat sich teils etwas gezogen und verging letztlich doch so schnell, da immer etwas los war.
Nachdem ich während der Weihnachtsferien zuhause war – so wie die meisten der Internatsbewohner – habe ich schon oft an das Ende des Schuljahres gedacht: wie geht es danach weiter? - Doch zu viel Zeit zum Nachdenken war eigentlich gar nicht gegeben und ich freute mich auch darauf, mich im Februar mit einer Freundin in London zu treffen. Zugegebenermaßen war das das erste Mal, dass ich mir die Stadt wirklich angucken konnte, sonst habe ich nur Zeit an Londoner Flughäfen verbracht. Zusammen mit den ersten Sonnenstrahlen des Jahres konnten wir die wenigen Tage sehr genießen und besonders gut hat mir der Besuch im Tate Modern gefallen, ein sehr anerkanntes Museum für moderne Kunst.
Kurz darauf bin ich mit einigen meiner Freunde und Mitschüler zu einer Fridays for Future Demo in Nottingham gefahren. Zu unserem Erstaunen war diese Demo aber sehr klein, insbesondere im Vergleich zu den Friday for Future Demos in Deutschland. Angelehnt an unsere „Aktionsgruppe“ kamen wir dann auch auf die Idee, auf dem Campus Müll einzusammeln. Dieser war natürlich nicht per se dreckig, aber viele Schüler vor uns meinten wohl schon ihre leeren Chipstüten in die Büsche werfen zu müssen…
Auf den zweiten Teil meines Auslandsjahres zurückblickend, denke ich vor allem auch an eines: wir haben in jedem Fach (insgesamt 4) zwei Vorprüfungen schreiben müssen und im Mai kamen dann die richtigen Prüfungen, auch nochmal zwei je Fach. Was ich sehr gut fand, waren die erfolgreichen Bemühungen unseres Colleges, Themen wie Prüfungsstress, -angst oder ‚Wie lerne ich am besten?‘ in den Tutorien aufzufassen.
Wir durften sogar in den Prüfungswochen zum Animal Care Centre gehen, um vor den Examen noch mal zu entspannen, während wir Hunde oder Katzen streicheln konnten (da das Stresslevel Studien zufolge sowohl auf körperlicher als auch auf mentaler Ebene dabei sinken soll). Als ich einige Zeit später nochmal hinging, einfach, weil ich die Katzen sehr mochte, wurde ich leider auf 2 Quadratmetern mit der Katze eingeschlossen, in ihrem Käfig. Dann habe ich (auch leider) den Unterricht verpassen müssen, bis meine Freundin (= meine Lebensretterin) kam (haha!).

Diese Bilder zeigen einige Eindrücke meines zweiten Kurztrips nach London als Rucksackreisende. :-)

Nach den ganzen Prüfungen habe ich dann auch mit einigen Mitschülern an einem professionellen Fotoshooting für College-Werbezwecke teilnehmen dürfen. Das hat wirklich ziemlich viel Spaß gemacht, weil es so ungezwungen ablief. Anfang Juni wurde ich auch noch von einer Freundin zu einer kleinen Gartenparty eingeladen. Das Wetter war schon sehr sonnig und somit konnten wir die letzte gemeinsame Zeit nochmal in vollen Zügen genießen.
Ich bin sehr glücklich darüber, so fantastische Menschen kennengelernt zu haben, die mir einige Weisheiten mitgeben konnten oder auch einfach solche, mit denen ich sehr viel Spaß hatte. Am letzten Tag vor unserer Abreise (viele Internatsbewohner flogen am gleichen Tag nach Hause) waren wir nochmal im Kino und haben es uns nicht nehmen lassen, beim Abspann vor der Leinwand, noch im vollen Kinosaal, zur Musik zu tanzen und ich finde, dass das auf jeden Fall ein gelungener und unvergesslicher Abschluss des Auslandsjahres war.
Ein Jahr in England zu verbringen, war für mich die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit und ich glaube, dass jeder, der mit dem Gedanken spielt, für eine gewisse Spanne ins Ausland gehen zu wollen, von solchen Erlebnissen, die dort auf einen warten, profitieren kann.  

- Worauf man dabei achten sollte? – Wahrscheinlich vor allem auf sich selbst, da ein Auslandsjahr auch nicht immer genau so verläuft, wie man es sich im Vorhinein ausmalt. Manches kommt besser, manches wird schlechter und einiges ist einfach anders. Aber wichtig ist dabei doch, die Neugierde, Neues zu erleben, nicht zu vergessen. Und wenn manches nicht so gut zu einem passt, darf man sich dann ja auch immer noch dagegen entscheiden. So ging es mir zum Beispiel bei verschiedenen „Clubs“, die die Schule angeboten hat. Aber es heißt ja auch so schön: „probieren geht über studieren“. 

Herzliche Grüße
Pauline Höse

Diese Plakatwand habe ich bei einem Ausflug zufällig entdeckt und ich finde, sie beschreibt (m)ein Auslandsjahr ziemlich gut: „vergiss nicht zu leben“, „habe weniger Angst“ und „kreiere eine emotionale Brücke zu einem Fremden“ (wobei die Weisheiten im Englischen wohl etwas besser klingen als die Übersetzung ) .

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